Schlafstörungen
Der Schlaf
Der Schlaf
gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, er ist lebensnotwendig und trägt
maßgeblich zu unserem täglichen
Wohlbefinden bei, in dem er die körperlich und seelisch notwendige Regeneration
gewährleistet. Er ist mit der Regulation
unseres Stoffwechsels, dem Temperaturhaushalt und der Funktionstüchtigkeit
unseres Immunsystems verknüpft.
Schlafgewohnheiten
und Schlafbedürfnisse der Menschen sind außerordentlich unterschiedlich. Es
gibt Früh- und Spätaufsteher, Kurz- und Langschläfer. Die einen sind bereits
nach 5 – 6 Stunden Schlaf munter und ausgeruht, die anderen noch nach 9 – 10
Stunden müde und abgeschlagen und haben Mühe,
morgens in Gang zukommen. Und doch bekommen beide – das haben Untersuchungen
gezeigt - etwa gleich viel Tiefschlaf. Die Langschläfer füllen die
Zwischenzeit nämlich mit oberflächlichem Schlaf, in dem sie besonders viel träumen.
Unser
Schlafbedürfnis wird von unseren jeweiligen
Lebensumständen beeinflusst. Unter Belastungen nimmt es zu. Mit steigendem
Lebensalter vermindert sich das Schlafbedürfnis. Gleichzeitig ändert sich das
Schlafmuster. Perioden oberflächlichen Schlafes nehmen zu und werden häufig
als Schlafstörungen erlebt. Über den Schlaf, seine Ursachen, Steuerung und Störungen
ist wenig bekannt. Es gibt jedoch Untersuchungsmethoden, mit denen man die
Schlaftiefe feststellen kann. Arten von Schlafstörungen:
Was sind Schlafstörungen? (nach ICD 10 GM)
Laut Definition
sind Schlafstörungen ein Mangel an Schlafqualität
und/oder Quantität. Eine Insomnie entsteht aus einem Missverhältnis zwischen
Schlafbedürfnis und Schlafvermögen, sie wird diagnostiziert, wenn
folgende Kriterien erfüllt sind:
☻
Klagen über Einschlaf- und
Durch
schlafstörungen
Mögliche Ursachen von Schlafstörungen:
☻
organische Erkrankungen
Eine Vielzahl
internistischer, neurologischer und orthopädischer
Krankheitsbilder führt zu erheblichen
Schlafstörungen. Zu den am häufigsten vorkommenden Erkrankungen, die mit einer
Störung der Schlafqualität einher gehen, gehören Herzerkrankungen,
Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen, chronische Schmerzen, chronische und
degenerative Hirnerkrankungen, Tinnitus,
Restless-Legs-Syndrom u.a.
Schlafstörungen sind aber auch ein wesentliches Symptom bei seelischen Erkrankungen
wie
Depressionen,
Angststörungen,
Zwangserkrankungen,
posttraumatische
Störungen sowie Erkrankungen aus dem
engeren psychiatrischen Formenkreis wie Schizophrenien u.a.
Wissenschaftliche
Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 20 – 30% aller Menschen über einen
gestörten Schlaf berichten. Schlafstörungen können durch körperliche und
seelische Krankheiten, durch Umwelt- und situative Einflüsse bedingt sein.
Deshalb muss vor einer medikamentösen Behandlung
eine Untersuchung der Ursachen erfolgen. Dazu gehört eine Abklärung, ob
überhaupt wirkliche Schlafstörungen vorliegen oder ob der Schlafmangel nur
subjektiv erlebt wird, z.B. durch Perioden oberflächlichen Schlafs, die den
Betroffenen das Gefühl geben, überhaupt nicht geschlafen zu haben.
Schlafprobleme
können durch unterschiedliche Faktoren bedingt sein, welche allein für sich
oder, wie meist, im Zusammenwirken für die Schlafstörungen verantwortlich
sind. Beispiele für situativ bedingte „Schlafstörungen“ sind
das frühe Zu-Bett-Gehen in Krankenhäusern und allgemein
bei älteren Menschen. Zu zeitlichen Phasenverschiebungen im Sinne von
Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen kommt es bei
Flugreisen durch Zeitverschiebung, ebenso bei
Schicht- und Wochenend-Arbeit.
In höherem
Lebensalter kommt es zu Schlafstörungen durch altersbedingte Veränderung des
Schlaf-Wach-Rhythmus, aber auch durch Atembeschwerden,
Schmerzen,
Bewegungseinschränkungen und Medikamentenwirkung u.v.a. Voraussetzung der
Behandlung der Schlafstörungen ist hier
immer die Behebung der körperlichen
Erkrankungen bzw. eine Medikamentenänderung.
Von
erheblicher Bedeutung für Schlafstörungen sind vorausgehende Lebensereignisse
mit negativem Charakter. Man weiß, dass
Menschen mit chronischen Schlafstörungen doppelt soviel Verlusterlebnisse
erfuhren und häufiger unter körperlichen Erkrankungen leiden als Menschen ohne
diese tiefgreifenden negativen Erfahrungen. Aber auch eine aktuelle
schwierige Lebenssituation kann zu Schlafstörungen führen, wenn das
berufliche oder private Beziehungsfeld gestört ist. Hier kann es um
berufliche Überlastungen gehen bis hin zum
Burnout
oder sich zuspitzende Krisen durch gestörte
Beziehungen am Arbeitsplatz wie
Mobbingerfahrungen.
Aber auch private Krisen wie Trennungen, Scheidungen, Todesfälle, familiäre
Konflikte wirken sich meist rasch auch auf körperlicher Ebene, insbesondere auf
die Schlafqualität aus. Ebenso führt Unzufriedenheit
mit den eigenen Lebensumständen, das ständige Grübeln mit den „Warum“-Fragen,
„Hätte-„ und „Sollte“-Sätzen, zu quälenden Gedankenkreisläufen, die
sich hauptsächlich nachts „freie Bahn“ schaffen.
Zwischenmenschliche
Konflikte, die heftige Gefühle hervorrufen, Gefühle
von Scham, Schuld und Reue bei realen Verfehlungen stören den Schlaf ebenso wie
die heftigen Emotionen Freude, Trauer,
Sorge und Angst. Auch längere sexuelle Enthaltsamkeit
kann den Schlaf beeinträchtigen.
Aber auch
weit - d.h. oft bis in Kindheit und
Jugendzeit - zurückliegende, schwerwiegende traumatische Lebensereignisse
können neben anderen belastenden Symptomen
zu andauernden Schlafstörungen führen. Häufig sind sie verbunden mit Alpträumen
und Angstträumen und allgemeiner nächtlicher Schreckhaftigkeit. Hierzu zählen
Gewalt-, Missbrauchserfahrungen, Kriegs- und Foltererfahrungen, ebenso das
Erleben von Naturkatastrophen. Von all diesen Menschen wissen wir, dass diese
über mehrere Jahrzehnte zurück liegenden traumatischen Lebensereignisse
ebenso jahrzehntelang anhaltende
Schlafstörungen zur Folge hatten (dies geht aus den Berichten von ehemaligen
KZ-Häftlingen).
Bei
traumatisierten Menschen beobachtet man
eine direkte Schlafbedrohung durch die Überflutung mit traumatischen
Trauminhalten bzw. Alpträumen, die zum Erwachen führen. Die Betroffenen haben
bereits Angst vor dem Schlafengehen, lassen Radio und Licht an, machen damit
die Nacht zum Tag mit den Folgen der Tag/Nacht-Rhythmus-Umkehr, die zu
Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen führt und die
Belastungsfähigkeit für den Alltag erheblich einschränkt.
Menschen, die
unter Schlafstörungen leiden, berichten oft von charakteristischen
biographischen Gegebenheiten wie z.B. schwierige innerfamiliäre
Beziehungsmuster mit wenig Geborgenheit und Wertschätzung, belastende
Erlebnisse in der Kindheit, aber auch schwere Krankheiten im Kindes- und
Jugendalter. Häufig zeigt mindestens ein
Elternteil ebenfalls das Vorliegen ausgeprägter Schlafstörungen.
Nicht selten
führen Fehlhaltungen und Fehlerwartungen
bezüglich der Natur des Schlafs zu Schlafstörungen.
Viele Menschen haben von der Schlafdauer, dem Verlauf sowie dessen Tiefe
unrealistische Vorstellungen und Überzeugungen. Menschen mit
Schlafstörungen versuchen häufig „mit Gewalt“ einzuschlafen,
wodurch ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird. Zu dem gleichen Ergebnis führen
unrealistische, an Idealvorstellungen orientierte Maßstäbe an die
Schlafqualität. Das Abweichen von der Idealvorstellung bedeutet dann Stress, da
der Schlaf mit einer gespannten
Erwartungshaltung verknüpft wird. Schlafstörungen und Psychotherapie
Wann ist eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt?
Eine
psychotherapeutische Behandlung ist immer dann angezeigt, wenn es sich um seelisch bedingte Schlafstörungen handelt. Sie setzt immer eine gründliche
Diagnostik und den Ausschluss einer organischen Ursache der Schlafstörungen
voraus. Erst dann geht es in einem weiteren Schritt darum, den Stellenwert oder
Symptomwert der Schlafstörungen im seelischen Gefüge der Betroffenen
herauszuarbeiten, da Schlafstörungen über längere Zeit häufig
Ausdruck umfassenderer oder
tieferer Störungen sind. Ambulante oder stationäre Therapie?
Handelt es
sich um eine vorübergehende belastende Lebenssituation bzw. Lebenskrise, ist
zunächst eine ambulante Psychotherapie zu erwägen. Zeigen die Schlafstörungen
aber eine umfassendere Lebensthematik, eine länger andauernde schwierige
Lebens- und Berufssituation, die mit weiteren seelischen Beeinträchtigungen
verbunden ist, an, dann ist eine
stationäre Rehabilitationsbehandlung in einer psychosomatischen
Abteilung angezeigt. Der hiermit verbundenen Herausnahme
aus dem beruflichen und häuslichen Umfeld kommt eine besondere Bedeutung zu, da
häufig die soziale Umgebung mit ihren Anforderungen sowie die
Alltagsgewohnheiten eine starke
Beteiligung an der Symptomatik haben.
Die durch die
Klinikaufnahme bewirkte momentane
Entlastung schafft eine
notwendige Distanz, aus der
heraus es meist leichter möglich ist, die
häusliche Situation zu reflektieren. Eine
psychosomatische Fachklinik bietet darüber hinaus den Rahmen einer
therapeutischen Gemeinschaft, in dem Begegnungen und Auseinandersetzungen
erleichtert möglich sind. Ein vielfältiges Therapieprogramm sowie intensive
ganzheitliche Behandlungsansätze helfen verschüttete Gesundheitsressourcen
wieder freizulegen und die inneren Kraftquellen für einen gesünderen Neuanfang
zu aktivieren.
Behandlung von Patienten mit Schlafstörungen in der Abteilung Psychotherapie
und Psychosomatik
In unserer
ganzheitlichen psychosomatischen Behandlung von 4 – 6 Wochen Dauer, die wir
in der
ABTEILUNG PSYCHOTHERAPIE
UND PSYCHOTHERAPIE DER HARDTWALDKLINIK I anbieten,
arbeiten wir auf der Grundlage eines humanistischen Menschenbildes
tiefenpsychologisch fundiert nach gestalttherapeutischem Ansatz
in einem hochstrukturierten und zeitlich sehr komprimierten Verfahren.
Wir bieten eine Kombination von Einzelgesprächen und
Gruppentherapien an in Verbindung mit kreativen Verfahren,
körperorientierten Ansätzen und medizinischen
Anwendungen sowie mit klassischen Anwendungen von Badeabteilung, Physikalischer
Therapie, Krankengymnastik und Körpertherapie. Behandlungsziel ist neben der Verbesserung der Schlafqualität und des seelischen und körperlichen Wohlbefindens die Bearbeitung der seelischen Konflikte und Ängste der Patientin bzw. des Patienten, die für die Schlafstörungen verantwortlich sind. Ziel ist die Wiedergewinnung eines ressourcen-orientierten Lebensstils. Folgende Therapieangebote stehen hierzu zur Verfügung: Einzeltherapie
Im
Einzelgespräch werden Informationen zur Entstehung von Schlafstörungen
vermittelt. Neben dem Führen eines Schlaftagebuchs und der gemeinsamen Suche
nach den auslösenden Faktoren geht es auch um die Förderung der
Selbstwahrnehmung und Selbstbeobachtung. Alternative Strategien werden
besprochen. Die seelischen Konflikte und Ängste, die den Schlafstörungen
zugrunde liegen oder diese unterhalten, werden bearbeitet. Gruppentherapie
Sie stellt
ein empathisches interaktionelles Gruppenfeld dar,
in dem durch die Unterstützung der Mitpatientinnen und Mitpatienten
Problemfelder bearbeitet werden können.
Sie stellt einen Übungsrahmen zur Verfügung, in dem
Selbst- und Fremdwahrnehmung verbessert
werden können, und sowohl Kontaktfähigkeit
als auch das Bedürfnisse nach
Abgrenzung geübt werden können. Hier werden in einem strukturierten und achtsamen Rahmen imaginative Distanzierungstechniken von Stress erzeugenden Lebensereignissen erlernt. Im weiteren geht es um die sog. „innere Kindarbeit“, das Erlernen von Selbstfürsorge und ausreichender Abgrenzungsfähigkeit.
Durch
bewusstes muskuläres Anspannen und Loslassen kann eine verbesserte Körperwahrnehmung
sowie Reduktion von seelischer und körperlicher Anspannung erreicht werden.
Dieses Verfahren wird im Liegen und im Sitzen angeboten.
Yoga und
Meditation erleichtern durch den Wechsel von
Zentrierung, bewusster Körperhaltung und „Loslassen“
zentrierte Wahrnehmung und Entspannung. Kreativtherapie
Unterstützt
und begleitet wird unsere Arbeit zur Förderung der Selbstwahrnehmung durch
kreativtherapeutische Zugänge, durch kreative Medien, die anregen zu
kreativem Schreiben, Malen und Körperausdruck. Sie tragen dazu bei,
an bereits bekannte Ressourcen anzuknüpfen oder neue zu erschließen und
führen dazu, Aktivitäten ganzkörperlich zu spüren.
Körpertherapie mit Qigong, Feldenkrais,
Tai Chi Männer- bzw. Frauengruppe Gruppe Arbeitsplatzkonflikte / Mobbing, Burnout
Unser
Basis-Gruppenkonzept kombinieren wir mit
speziellen Angeboten wie Männergruppe,
Frauengruppe, Gruppe für Arbeitsplatzstörungen (Mobbing, Burnout u.a.). In
diesen Indikationsgruppen werden spezifische Themen bearbeitet und
Anregungen gegeben, wie mit dem
bestimmten Symptomenkomplex gearbeitet werden kann. Diese
Inhalte fließen in den Gesamt-Therapieverlauf
ein. Therapeutische Gemeinschaft
Der regelmäßige
Austausch der Mitpatienten untereinander über die gemeinsame Gruppenarbeit
hinaus stellt einen wesentlichen Eckpfeiler der stationären
psychosomatisch-psychotherapeutischen Arbeit dar. Sie bietet
auch das notwendige „Übungsfeld“ für das Erproben von neuen
Verhaltensmustern, das in den therapeutischen Einzel- wie Gruppen-Sitzungen
erneut reflektiert werden kann. Medikamentöse Behandlung
Bei schweren
Schlafstörungen ist eine medikamentöse Unterstützung möglich, im Vordergrund
steht jedoch das Erlernen und Einüben von alternativen Bewältigungsstrategien
zur Besserung der Symptomatik. Physikalische Therapie Bäder, Massagen, Kneipp'sche Anwendungen und Sauna. Sport
Ein weiterer
wichtiger Behandlungsansatz ist die
körperliche Aktivierung. In
unserer Abteilung stehen verschiedene sportliche Angebote zur Verfügung, um ein
moderates Ausdauertraining zu gewährleisten... und mehr! Wie z.B. das
„therapeutische Boxen“ im Umgang
mit chronischer muskulärer Anspannung und
Aggression, „Schwimmunterricht“ bei Selbstwertproblemen und Ängsten.. Sozialberatung In Bezug auf weitere ambulante Behandlungsmöglichkeiten bzw. berufliche Rehabilitation ist bei Bedarf eine sozialmedizinische und sozialpädagogische Beratung möglich. Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter Integrative Gestalttherapie/Traumatherapie B.Landgrebe
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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